Narratologie Interdisziplinär

Projektleitung: Prof. Dr. Jörg Rogge
Projektbearbeitung: Davina Brückner M.A.

Ziel des Dissertationsprojektes ist die Nutzbarmachung der narratologischen Methode für die Geschichtswissenschaft durch die Konzeptualisierung einer für sie spezifischen Theorie und Methodik. Dazu werden die theoretischen Grundlagen einschlägiger Konzepte evaluiert, die Konzepte selbst auf ihre Übertragbarkeit hin getestet und wo nötig aktualisiert.

Im Gegensatz zu Ansätzen, welche die Produkte (post-)moderner Geschichtswissenschaft narratologisch untersuchen, oder aber die historische Variabilität der Narratologie selbst zum Inhalt haben, ist der Fokus des vorliegenden Projekts auf die narratologische Analyse des historischen Gegenstands – der schriftlichen Überlieferung – gerichtet. Anhand von zwei historio(bio-)graphischen Zeugnissen aus dem 14. und 15. Jahrhundert soll eine praxisorientierte Spezifizierung einschlägiger narratologischer Analysekategorien vorgenommen werden.

Bei den zu bearbeitenden Werken handelt es sich um zwei Schriftstücke aus Schottland – John Barbours Brus und Walter Bowers Scotichronicon. Der Erzdiakon aus Aberdeen John Barbour verfasste sein (pseudo-)biographisches Werk über das Leben und Wirken des legendären schottischen Königs Robert Bruce etwa 50 Jahre nach dessen Tod (ca. 1375) im Umfeld des ersten Stewart Königs Robert II. Im Zentrum der Erzählung stehen die Kämpfe und Schlachten, die nach dem Tod Alexanders III. ab 1306 zwischen den Engländern und den Schotten stattfanden. Die Erzählung endet mit dem Tod der Hauptprotagonisten zwischen 1329 und 1332. Das Scotichronicon ist eine Chronik im klassischen Sinne, kompiliert durch den Abt Walter Bower und rund 70 Jahre nach Barbours Brus entstanden (ca. 1445). Bower, der die Chronica Gentis Scotorum von John Fordun vollständig in sein eigenes Werk inkorporierte, beginnt die Erzählung zu Zeiten der Sintflut und endet mit der Ermordung des schottischen Königs James I. 1437 in seiner eigenen Zeit. Der Erzählfokus liegt im Wesentlichen auf der schottischen Geschichte, wie der Name der Chronik bereits andeutet.

Nicht nur aufgrund der häufig attestierten Quellenarmut für den hier beschriebenen Zeitpunkt und Ort, gelten beide Werke als bedeutende Zeugnisse ihrer Zeit, insofern sie über (vermeintliche) Ereignisse der Vergangenheit informieren. Für die vorliegende Arbeit sind sie vor allem von Interesse, weil sie als zeitgenössische Produkte (versuchter) Kontingenzbewältigung verstanden werden können.

Kontakt: Davina Brückner

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