Frühe Neue Zeiten

Zeitkonzepte zwischen Reformation und Revolution
Tagung vom 22.-24. September 2010

 

Der geschichtswissenschaftliche Umgang mit dem Thema „Zeit“ ist einigermaßen paradox: Da Geschichte nun einmal mit Veränderungen in der Zeit zu tun hat, besteht auf den ersten Blick kaum die Notwendigkeit, sich mit der Zeit nochmals explizit zu beschäftigen – weil dies vermeintlich ohnehin schon immer geschieht. Bei einem näheren Blick fällt jedoch auf, dass Zeit immer schon vorausgesetzt anstatt problematisiert wird. Zeit ist der Rahmen, in dem sich Geschichte abspielt, der aber in all seiner Konstruiertheit sowie sozialen und kulturellen Bedingtheit kaum in den Fokus gerät. Es scheint daher angebracht, Zeit im Kontext der Geschichtswissenschaft in ähnlicher Weise einer kulturwissenschaftlichen Revision zu unterwerfen, wie dies in den vergangenen Jahren mit der ebenso fundamentalen Kategorie des Raumes geschehen ist – denn eine Geschichte der Zeit kann ‚die Zeit‘ nicht in naiver Weise voraussetzen.

Zu einer solchen Betrachtung liegen aus unterschiedlichen disziplinären Kontexten zahlreiche Anknüpfungspunkte vor. Man kann diese mit Norbert Elias auf die kürzest mögliche Problemstellung konzentrieren, wie sich Kulturen jeweils „zeiten“. Mit diesem im Deutschen nicht existenten Verb wollte Elias verdeutlichen, dass Zeit kein Objekt jenseits menschlicher Zugriffmöglichkeiten ist, nicht als überwölbendes und übermächtiges Dach über uns schwebt, sondern dass es sich bei der Bestimmung von Zeit um sozio-kulturelle Prozesse handelt.

 

Die Tagung "Frühe Neue Zeiten"

Die skizzierte Perspektive soll auf der Tagung aufgegriffen und für die Betrachtung der Frühen Neuzeit fruchtbar gemacht werden. Denn es besteht die berechtigte Vermutung, dass es im Verlauf der Frühen Neuzeit auf ganz grundlegende Weise zur Ausbildung neuer Zeitmodelle und damit auch zu einer Pluralisierung bestehender Zeitkulturen kam.

 

Organisatorische Informationen:

Konzeption und Planung: Prof. Dr. Achim Landwehr

Kontakt:

Tagungsort: Hörsaal des Musikwissenschaftlichen Instituts (Vorbau Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18)

Programm: > pdf

• Finanziert wird die Veranstaltung aus Mitteln des Gutenberg Forschungskollegs (GFK) der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
• Die Kosten für Anreise und Unterkunft werden übernommen.
• Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.